Taste The Waste, Ethik Lebensmittelverschwendung Hotellerie
Taste The Waste, Ethik Lebensmittelverschwendung Hotellerie
Film Taste The Waste - Lebensmittelverschwendung auch in der Hotellerie
Mehr als die Hälfte unserer Lebensmittel landet im Müll, so beginnt der Trailer des Kinofilms, der dieser Tage in den deutschen Kinos anlief: Taste The Waste - „Probier doch mal den Abfall!“
Diese Verschwendung, die dem inzwischen beliebten Begriff der „Römischen Dekadenz“ sehr nahe kommt, zahlen wir alle. Der Verlust wird in die Kalkulation der Lebensmittelpreise mit eingerechnet. Wir zahlen also die Verschwendung des Handels. Zudem trifft uns Verbraucher selbst viel schuld da wir gerne im Regal „nach hinten greifen“ um möglichst Lebensmittel zu finden die ein späteres Verfallsdatum haben, auch wenn wir früher verbrauchen.
Völlerei und Römische Dekadenz
Diese Praxis, der Umgang mit unseren Lebensmitteln in unserer Wohlstandsgesellschaft ist höchst unethisch. Einerseits haben wir eine Überversorgung mit Lebensmittel die damit endet, dass vieles verdirbt und schlecht wird, andererseits haben wir skandalöse Hungersnöte in Drittländern. Die meisten von uns scheren sich einen Dreck darum, zweifeln nicht mal unserer Völlerei, die auch zu Lasten eben dieser Drittänder geht, an.
Klimakiller Kuh
Nicht zu vergessen ist, dass unsere industrialisierte Viehzucht, nicht unwesentlich zum Klimawandel beiträgt. Vor allem sind es aber jene Drittländer die existenziell durch häufigere und länger anhaltende Dürrekatastrophen leiden, für deren Ursache unser „Wohlstandsgehabe“ auszumachen ist. Es ist zum Kotzen!
EU Normen für den Müll
Und da gab es mal die EU Verordnung Nr. 1677/88/EWG zur Festsetzung der Qualitätsnormen für Gurken. So durften Gurken nur eine Krümmung von 10 Millimeter auf 10 cm haben, wenn sie als Qualitätsprodukt verkauft werden sollte. Die Verordnung wurde aufgehoben, doch da der Verbraucher sich gar nicht mehr an krumme Gurken erinnern kann, wird von Verbrauchern auch weiterhin nur die gerade Gurke gekauft. Und auch das wird im Film aufgezeigt: Kartoffeln unterliegen auch weiterhin dem Qualitätsmerkmal „Größe“. Heisst auf abgeernteten Karfoffeläckern findet man kleine, durchaus schmackhafte Kartoffeln, die dort verrotten, da diese auf dem Markt nicht als Qualitätsprodukte verkauft werden können.
Unser tägliches Brot gib uns heute
Ein Bäcker wird von einer Supermarktkette oder einem Centervermieter dazu verpflichtet (vermutlich sämtliche Bäckerketten) bis Ladenschluss sämtliche Brotsorten vorzuhalten, mit dem Resultat, dass das meiste dann auf dem Müll landet. Hier kommt noch zudem der unverantwortliche Verbraucher ins Spiel, jeder Käufer am nächsten Tag unbedingt frische, am gleichen Tag gebackene Ware erwartet. Über die horrenden Brotpreise bei mässiger Qualität (ich backe mein Brot im Brotbackautomaten inzwischen selbst) braucht sich also niemand zu wundern.
Der penible Verbraucher - schämen sollte er sich woanders.
Gerne lässt sich der Verbraucher auf das Trugbild ein, dass unsere Lebensmittel hygienisch und möglichst keimfrei steril zu sein haben. Da passt es ganz gut ins Bild, dass nur die wenigsten Verbraucher sich in der Ecke der wegen baldigem Verfallsdatum preislich reduzierten Lebensmittel bedienen, und wenn dann häufig nur mit hochrotem Kopf. Dabei sind diese Lebensmittel oft noch für viele viele Tage, manchmal Wochen zum Verzehr geeignet. Natürlich könnte man es als ungemein christlich definieren, wenn Sie die Ecke der Sonderangebote für Hartz 4 Empfänger, oder andere Menschen in Not überlassen. Aber schämen Sie sich nicht, ran an den Speck, selbst wenn Sie über einen Wohlstandsbauch verfügen.
Hotellerie Par Exemple: Pro Monat landet eine Ponderosa im Müll.
Auch in der Hotellerie ärgert mich seit Jahren die Praxis mit Lebensmittel verschwenderisch und unethisch umzugehen. Ich weiss, bestimmte Vorgehensweisen sind im Hotel nicht umzusetzen, weil es bestimmte Normen gibt und auch bestimmte gesetzliche Regelungen einzuhalten sind. Aber darum geht es mir auch gar nicht, sondern:
Es sind ja nicht nur die pflanzlichen Produkte, die im günstigsten Falle gerade noch in einen Schweinetrog wandern. Es ist auch das viele Fleisch, das im Müll landet. Zuvor wurden Tiere teilweise durch abscheuliche Aufzucht-Methoden gequält - und da ordentlich viel im Hausmüll des Hotels endet, sind diese auch noch umsonst gestorben! In manchem Hotel landet pro Monat eine ganze Ponderosa im Müll. Und das ist nicht übertrieben.
Arbeitsstunden sind mehr wert als ein Tierleben?
Dies funktioniert nach dem Motto: Arbeitsstunden kosten mehr als Tierleben. Wie sonst ist es zu erklären, dass viele Hotels ihren Restaurantbetrieb auf Buffet und Selbstbedienung umgestellt haben. Was beim Kunden wie „Großzügigkeit“aussieht und für das Hotel ein beliebtes Marketingargument ist - ist hinter dem Vorhang reines Kalkül - zu Lasten der Nachhaltigkeit von pflanzlichen und tierischen Produkten.
Barocke Fresserei am Hotelbuffet
Mal abgesehen davon, dass der Hotelgast an Selbstbedienungsbuffets zur hemmungslosen barocken Fresserei ermuntert wird, und er vielleicht, nachdem er die heimatlichen Gefilde wieder erreicht, und einen Blick auf die Waage geworfen hat, er seinen letzten Hotelaufenthalt zutiefst bereut.
Früher war so manches besser...
Ich würde mich freuen, wenn Hoteliers ihre ganz in diesem Sinne ihren Workflow und den gesamten Prozess - rund um das Thema: Lebensmittel in der Hotellerie überdenken, und auch im Service vielleicht wieder die „altmodische Form des Buffets“ wieder einführen, bei dem der Gast bei seiner Auswahl von Servicekräften unterstützt wird. Das Buffet im Anschluss nicht aussieht wie nach der Meuterei auf der Bounty und der Gast bewusst eine Auswahl trifft, die ihm bekommt, ihn mittags nicht belastet und abends ruhig schlafen lässt. Dies auch über den Zeitraum des Hotelaufenthaltes hinaus, wenn der Gast eben wieder zu Hause ist auch.
Ein gutes Gewissen ist für Ihren Gast und für Sie selbst, wie der Volksmund so sagt, ein sanftes Ruhekissen.
Sonntag, 18. September 2011
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